Luther und die Hexen: einfach magisch

Geschichte wird geschrieben…

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Hier sollen die 95 Thesen angenagelt worden sein: Das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg.

1517. Eine junge Universitätsstadt im heutigen Sachsen-Anhalt. Eine aufgeregte Menge auf dem Schlossplatz. Ein nicht mehr ganz junger Doktor der Theologie nähert sich entschlossen dem großen Tor der Schlosskirche. Die Menge hält den Atem an. Lautes Hämmern. Dann bricht lauter Jubel aus.

Martin Luther hat soeben mit dem Anschlag der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche den unaufhaltsamen Beginn der Reformation initiiert.

Ob es tatsächlich einen solchen Thesenanschlag gegeben hat? Aus heutiger Sicht ist dies mehr als zweifelhaft. Trotzdem gilt das Bild des Thesenanschlags bis heute als das Symbol der Reformation.

Am 31. Oktober 2017 wird sich der Beginn der Reformation zum 500. Mal jähren. In Erwartung des großen Jubiläums begann schon 2008 die sogenannte Lutherdekade mit den verschiedensten Veranstaltungen und Feiern.

 

Die Reformation schlägt Wellen… bis nach Rothenburg

Auch Rothenburg hat eine bewegte reformatorische Vergangenheit. Schon in den 1520ern, wenige Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers, gab es erste Reformationsversuche in Rothenburg, die mit dem Bauernkrieg aber (zum Teil blutig) niedergeschlagen wurden.

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Johannes Hornburg wurde 1539 erstmals Bürgermeister von Rothenburg.

1544 gelang es dann dem Ratsherren Johannes Hornburg mit Hilfe anderer Ratsmitglieder, die Reformation in Rothenburg zu initiieren und durchzuführen. Hornburg hatte in Wittenberg studiert und dort auch Luther persönlich kennengelernt und dessen Vorlesungen gehört.

Rothenburg kann also als Stadt mit langer evangelisch-lutherischer Geschichte betrachtet werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Rothenburg verschiedene Beiträge zur Lutherdekade bietet.

So erinnert das Mittelalterliche Kriminalmuseum Rothenburg an den Reformator und das Jubiläum der Reformation mit einer Sonderausstellung.

 

 

Martin Luthers Leben und Wirken aus rechtshistorischer Sicht

„Mit dem Schwert oder festem Glauben – Luther und die Hexen“, so der Titel der großen, dreijährigen Sonderausstellung des Kriminalmuseums zur Lutherdekade. Entsprechend der Ausrichtung des Museums fällt ein besonderer Fokus auf das Gebiet der Rechtsgeschichte: das düstere Kapitel des Hexenwahns wird aufgeschlagen. Bei der Hexenthematik handelt es sich um einen Aspekt, der mit Leben und Wirken Luthers untrennbar verknüpft ist. Martin Luther lebte zu einer Zeit wachsender Hexenangst. Für Luther bestand wie für die meisten seiner Zeitgenossen kein Zweifel an der Existenz von Hexen und deren (schändlichem) Einfluss auf Land und Leute. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Luther auch zu diesem Thema äußerte. Jedoch war sein Umgang mit den Hexen von Widersprüchen geprägt. Forderte er an einem Tag noch die strikte Verfolgung und Bestrafung, rief er am anderen schon dazu auf, mit Hexen und deren Taten milde umzugehen, sie im christlichen Sinne hinzunehmen. Wollte er einmal „Der Erste sein, der Feuer an sie legt“, riet er beim anderen Mal zu Milde bei einem Einzelfall.

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Als Francisco de Goya 1799 seine Linda Maestra schuf, hatte der Hexenwahn bereits ein Ende gefunden.

Luther zeigte sich die Hexenfrage betreffend also auffällig doppelgesichtig. Um diesen Charakterzug Martin Luthers und auch viele andere seiner Aussagen und Taten nachvollziehen zu können, ist es unerlässlich, seine bewegte Biographie zu betrachten. Zugleich sollte man sich auch die Welt vor Augen halten, in der Martin Luther lebte, und die Schauplatz schwerwiegender Erschütterungen war.

Deswegen wird in der Ausstellung nicht nur Luthers Leben geschildert, sondern auch ein Blick auf das damalige Zeitgeschehen geworfen. Es werden die Bedingungen beleuchtet, unter denen die Menschen gelebt haben. Faktoren wie (Religions-)kriege, Epidemien wie die Pest und sogar eine „kleine Eiszeit“ helfen zu erklären, wie der Hexenaberglaube derart gewaltige Ausmaße annehmen konnte.

 

Rothenburg: das Hexenparadies?

Die Sonderausstellung widmet sich auch der Reformation und Hexenverfolgung in Franken und Rothenburg. Tatsächlich gab es in Rothenburg insgesamt nur drei Hexereiprozesse, von denen auch nur zwei zu einer Todesstrafe führten. Diese Anzahl ist erstaunlich gering verglichen mit den hohen Zahlen an Hexenprozessen und Hinrichtungen in nur wenig entfernten Städten wie Würzburg oder Bamberg. Diese erlangten mit der Verbrennung tausender Menschen traurige Berühmtheit als Hochburgen der Hexenverfolgung.

Womit lässt sich dies erklären? Die Antwort gibt es ab dem 1. Mai 2016 im Kriminalmuseum, wo es heißen wird: „Mit dem Schwert oder festem Glauben – Martin Luther und die Hexen.“

 

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Martin Luther lebte in einer bewegten Zeit.

 

Markus Hirte / Charlotte Kätzel

Markus Hirte

Ich heiße Dr. Markus Hirte. Geboren wurde ich 1977 in Weimar. Ich habe Rechtswissenschaft studiert und wurde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Dr. iur. promoviert. Meinen Abschluss zum Magister Legum bestritt ich an der Fernuniversität Hagen. Ein Studienaufenthalt führte mich auch an die Cambridge University nach England. Knapp sieben Jahre arbeitete ich als Rechtsanwalt in Stuttgart, Berlin und London. Mein Herz schlug jedoch immer schon vor allem auch für die Strafrechtsgeschichte, meine Publikationsliste wurde länger und länger. Seit 2013 bin ich nun geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg und kann mich noch intensiver der Historie widmen. Meine Forschungs- und Interessenschwerpunkte: ältere und neuere Strafrechtsgeschichte, insbesondere mittelalterliches Kirchenstrafrecht, Inquisitionsverfahren, Hexenverfolgungen und die Entwicklung der Todesstrafe. http://www.kriminalmuseum.rothenburg.de/

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