Ein Rothenburger Pfad zur Entspannung: Wanderung im Burgbernheimer Forst

Seit etlichen Jahren ist die Stadt Rothenburg ob der Tauber nicht nur das weltweit bekannte Kleinod des Mittelalters, die Stadt hat sich auch als „Wander-Metropole“ einen Namen gemacht. Das Taubertal und seine Nebentäler laden zu vielen unterschiedlichen und sehr reizvollen Wanderungen ein. Darüber hinaus gibt es aber auch Wanderstrecken im Umland, auf eine dieser Strecken möchte ich heute den Leser gerne mitnehmen. Es geht in den Burgbernheimer Forst.

Beginn der Wanderung ist der Rothenburger Bahnhof. Mit der einspurigen Regionalbahn geht die Fahrt bis Steinach bei Rothenburg, das nach einer Fahrtzeit von knapp 20 Minuten erreicht wird. Es empfiehlt sich für diese Fahrt gleich das Rückticket mit zu buchen, man braucht die Bahn am Ende des Ausflugs erneut, um wieder nach Rothenburg zu gelangen. Die Bahn verkehrt auf dieser Strecke im Stundentakt. In Steinach angekommen verlässt man den Bahnhof und der Weg führt nach rechts in Richtung der Hauptstraße. Dort geht es wieder nach rechts und unmittelbar nach der letzten Unterführung der Eisenbahnlinie überquert man die Straße und orientiert sich auf dem Feldweg von nun ab immer Richtung Wildbad. Jetzt steht für die nächsten Stunden allein die Natur im Vordergrund, der Verkehrslärm und hoffentlich auch der Alltag bleiben zurück.

Wandern in Rothenburg ob der Tauber
Pfad zur Entspannung im Burgbernheimer Forst bei Rothenburg ob der Tauber

Auf den Spuren gieriger Biber
Für einige hundert Meter führt der Weg zunächst durch die Felder bis zu einem kleinen See, dessen Baumbestand ganz erheblich von den Bibern geschädigt wurde. Die Nagestellen der Tiere sind ganz deutlich zu erkennen. Ich meine, diese Schädigungen fallen an diesem kleinen Weiher ganz besonders auf, denn sie passen überhaupt nicht zu der sonstigen, völlig intakten Umwelt. Es bietet sich ein Bild, wie aus einer anderen Welt. An diesem See führt der Weg nach links in Richtung des Waldes der bereits vor Augen auftaucht. Immer näher rückt der Feldweg an ein kleines Flüsschen heran, den Tiefenbach. Ein weiteres Hinweisschild Wildbad zeigt nach links, man durchwandert verschiedene Waldwiesen, bis dann der Weg ganz im Wald verschwindet. Aus dem Feldweg wird ein schmaler Wanderpfad, der in ein kleines Tal hineinführt. Rechts vom Pfad verläuft in zahlreichen Windungen der Tiefenbach.

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Der Tiefenbach verläuft in zahlreichen Windungen rechts des Weges

Es sind beidseitig keine großen Erhebungen, es sind die relativ sanft ansteigenden Hügel der Frankenhöhe. Zur linken Hand der bewaldete Schloßberg, rechts die ebenfalls bewaldeten Ausläufer der Hohen Leite. Von dort führen schmale Schluchten herab, die man auch als sog. Klausen bezeichnet. In ihnen laufen meist kleine Rinnsale, deren Wasser dann in den Tiefenbach fließt. Bezeichnungen wie Krebsgraben erinnern daran und lassen auch vermuten, dass diese Rinnsale in früheren Zeiten vielleicht einmal wesentlich größer ausgeprägt waren. Es gibt dort aber auch Ortsbezeichnungen, wie Teufelsgraben. Solche Namen regen noch heute bei uns die Phantasie an und sie belegen, Wald war schon immer und vor allem in früheren Zeiten auch Ort der Märchen und der Mystik.

Abhängig von der Jahreszeit gibt es zahlreiche Pflanzen die den Weg säumen. Buschwindröschen, Schlüsselblumen, Bärlauch, Maiglöckchen und vieles mehr sind optische Wegbegleiter, die den Waldboden in die unterschiedlichsten Farben verwandeln. Zwischen den Blüten ganze Scharen von Insekten und Schmetterlingen, die sich an der Blütenpracht erfreuen. Für den Wanderer sind die zahlreichen unterschiedlichen Pflanzendüfte eine abwechslungsreiche aromatische Begleitung. Auf dem weiteren Weg sollte man die Aufmerksamkeit einigen Eichenbäumen schenken, die sich rechts am Weg befinden. Mit Stammdurchmessern von 1,40 m, einer stattlichen Höhe und einer imponierend ausgeprägten Baumkrone sind diese Eichen sicherlich die beeindruckendsten Exemplare des gesamten Waldgebietes. Das Alter der Bäume? Nun, das Alter von Eichen lässt sich ganz leicht nach folgender Faustformel errechnen. Der Umfang des Stammes in 150 cm Höhe gemessen, multipliziert mit dem Faktor 0,8 ergibt das Alter der Eiche. In unserem Fall ein Baumumfang von 440 cm ergibt somit ein Alter von ca. 350 Jahren. Wenig später quert ein befestigter Forstweg den Wanderpfad, es geht aber weiter geradeaus. In Sichtweite, einem weiteren Wegweiser nach rechts folgend geht es zum Wildbad.

 

Das Wildbad Burgbernheim – Rast im Waldgasthof
Nach einer kurzen Strecke lassen sich durch das Blätterwerk bereits die Umrisse des Wildbads Burgbernheim erkennen. Heute ein gastronomischer Betrieb, lädt es zu einer willkommenen Rast ein, bevor dann der letzte Rest der Wegstrecke in Angriff genommen wird (Dienstag ist Ruhetag!!) Dieses Wildbad stellt ein Dokument der Kultur-und Medizingeschichte dar. Die wilden Quellen waren schon zu Zeiten Kaiser Lothar (1125-1135) und Kaiser Karl IV bekannt. Der Bau der ersten Gebäude fand bereits 1487 statt. Unter Markgraf Georg Wilhelm 1714-18 erlebte das Wildbad seine Blütezeit. Im 2. Weltkrieg wurden die Gebäude stark beschädigt, nach erfolgtem Wiederaufbau und Renovierung wurde das Bad von 1950-68 als Kneippbad betrieben. Seit 1980 ist das Wildbad nun Hotel-und Waldgasthof.

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Im Wildbad Burgbernheim kann man sich stärken – nur dienstags ist geschlossen.

Gestärkt verlässt man den gastronomischen Betrieb auf der einzigen Zufahrt die es gibt und folgt der ansteigenden Teerstraße bis zu einem Schild, das nach rechts zeigt, Richtung Markgrafenbau-Nordenberg. Dieser Markierung folgend geht es zunächst entlang der europäischen Wasserscheide und dann gilt die Wegweisung Hohe Leite – Heimatsee. Der Wanderweg verengt sich langsam zu einem Pfad, immer wieder müssen einige feuchte Stellen im Boden umgangen werden, die zusätzlich sehr stark von nach Nahrung suchenden Wildschweinen ausgegraben sind. Der Weg führt ca. 2,5 km immer geradeaus entlang der Hangkante und biegt dann zum Heimatsee ab. Vorbei geht die Wanderung an abgestorbenen Baumriesen, sog. Totholz. Dieses ist ökologisch sehr wertvoll und bietet vielen Insekten und Käfern Unterschlupf. Hier suchen auch die Spechte nach Nahrung, deren Klopfen schon von weiter Entfernung zu hören ist. Mit etwas Glück gelingt auch ein kurzer Blick auf den größten Vertreter der Spechte, den Schwarzspecht. Der Kennzeichnung Heimatsee folgend geht es dann vom Höhenzug der Frankenhöhe herunter, durch lichten Mischwald, bis zu einem befestigten Forstweg, wo man nach rechts abbiegt. Bevor die Straße dann den Wald verlässt taucht zur linken Hand der Heimatsee auf. Hier greift der Mensch nur wenig ein, der See bietet Unterschlupf für den Biber und sehr seltene Vogel-und Entenarten.

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Macht seinem Namen alle Ehre: Der Heimatsee nahe Rothenburg ob der Tauber und seine Ufer dienen als Unterschlupf für seltene Tierarten

Weiter geht es auf dem Weg Richtung Autobahn A7, durch ein großes Tunnel ist kurz darauf der Ort Urphershofen erreicht. Die kleine Ortschaft ist schnell durchquert, es geht weiter auf der Teerstraße, die quasi eine Einbahnstraße ist und somit sehr sehr wenig befahren. Nach ca. 400 m taucht das bekannte Hinweisschild auf einen Bahnübergang in 240 m Entfernung auf. Hier biegt der Wanderweg nach links ab in einen geschotterten Feldweg, der reizvolle Ausblicke auf die fränkische Landschaft ermöglicht. Circa 1 km später ist die Hauptstraße erreicht und rechts sieht man bereits den Bahnübergang und dahinter den Bahnhof von Hartershofen, dem Ende der Wanderung. Mit der Regionalbahn geht es nun zurück nach Rothenburg. Fazit: Es ist eine schöne Wanderung mit einer Gesamtlänge von ca. 10 km. Da es auf der Strecke eine Rastmöglichkeit gibt, die Strecke selbst keine steilen Auf-oder Abstiege aufweist, ist die Wanderung nahezu für jeden zu empfehlen. Eine gewisse körperliche Ausdauer ist allerdings schon erforderlich.

Probieren Sie es aus!! Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!

Harald Krasser

Ich bin in Rothenburg geboren und lebe auch hier. Ich liebe diese Stadt und das sie umgebende Frankenland. Besonders freut mich der weltweite Bekanntheitsgrad dieses mittelalterlichen Kleinods. Sagen zu können, hier in meiner Heimatstadt ist die Welt zu Gast, macht mich auch ein klein wenig stolz. Ich bin seit 1968 Mitglied im Historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ und leitete diesen Verein bis 2017 als 1. Vorsitzender. Natürlich möchte ich mich in einigen meiner Themen mit diesem Verein, seinen Aktivitäten und seiner reichhaltigen Geschichte beschäftigen.

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Eine Antwort auf „Ein Rothenburger Pfad zur Entspannung: Wanderung im Burgbernheimer Forst“

  1. Vielen Dank für die schöne Beschreibung!!! Eigentlich wollten wir von Steinach aus den Tiefenbach entlang wandern, haben aber eine Abzweigung verpasst und sind „quer Wald ein“ an die hohe Leite gelangt. Irgendwie fanden wir doch das Wildbad und nach 5 Stunden unser Fahrzeug in Steinach. Eine wunderschöne Waldgegend, in der wir uns gerne verlaufen haben!!!

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