Ein Jubliäumsjahr für das Toppler Theater in Rothenburg ob der Tauber

Ein Blick auf die Theaterlandschaft in der Umgebung verrät: In Franken und dem angrenzenden Baden-Württemberg sind Freilichttheater besonders beliebt. In Rothenburg ob der Tauber hatte man indes in den 50er Jahren die erste Chance verpasst, ein eigenes Theater zu etablieren: das „Burgschauspiel“ wanderte schon nach kurzer Zeit Richtung Dinkelsbühl ab und ist heute jedem als Landestheater bekannt. Mit dieser kleinen historischen Randnotiz im Hinterkopf, darf man sich umso mehr freuen, dass sich doch noch ein Freilichttheater in Rothenburg etablieren konnte. Und dass wir 2017 unser 10-Jähriges Jubiläum feiern dürfen, gibt Anlass zu Zuversicht und einem optimistischen Blick in die Zukunft.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Die Überschrift sagt es schon: es war eine gehörige Portion Glück im Spiel, dass das Projekt „Theater“ in Rothenburg überhaupt erdacht und geplant wurde. Eine Gruppe Theaterverrückter, die einen idealen Spielort sahen, sich ein Herz fassten und mit der Planung begonnen. Die Stadt konnte von dem Vorhaben überzeugt werden, private Sponsoren und Förderer gewonnen werden (allen voran die Sparkasse Rothenburg mit einer enormen Anschubfinanzierung).

Die Bühne im Rohzustand

Als Spielort wurde der kleine Nordhof im ehemaligen Dominikanerinnenkloster und heutigen Reichsstadtmuseum auserkoren, mit seiner fast schon romantisch umrahmenden Stadtmauer. Alles musste zunächst renoviert und neu erdacht werden, viel ehrenamtliches Engagement wurde benötigt. Passend zum 600. Todestag von Heinrich Toppler war auch ein Name gefunden – und auch gleich ein ideales Stücke-Thema zur Hand. Mit Reiyk Bergemann konnte nicht nur ein Autor, sondern auch gleich ein erfahrener Regisseur gefunden werden, der mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut war.

Der Publikumsraum ohne Sitzplätze

Das erste Jahr

2008 war es dann so weit: die erste Premiere am Toppler Theater konnte mit dem passenden Bühnenstück „Toppler – oder der Versuch sich die ganze Welt untertan zu machen“ gefeiert werden. Ein großer Erfolg, nicht nur weil eine Theatereröffnung in Zeiten schließender Häuser zur Seltenheit geworden ist. Denn auch die professionelle schauspielerische Leistung, sowie das Ambiente des kleinen Freilichttheaters wurden über die Landesgrenzen hinweg gelobt. Ein guter Start, aber nun musste man das Niveau halten und weiter ausbauen.

Die erste Premiere von „Toppler“ 2008

Strukturen

Das Toppler Theater wurde und wird überwiegend durch ehrenamtliche Arbeit getragen, aber von professionellen Darstellern bespielt. Das muss man jedes Mal deutlich betonen und sollte man immer im Hinterkopf behalten. Ohne die Dreiköpfige Theaterleitung mit dem aktuellen Geschäftsführer Erich Landgraf, dem Kulturforumsvorsitzenden Jürgen Klatte und dem freien Journalisten und Ideengeber Dieter Balb, hätte man das Projekt „Toppler Theater“ sofort beenden können. Aber auch die etlichen Ehrenamtlichen Mitarbeiter im Service-Bereich, bei handwerklichen Tätigkeiten oder im Reichsstadtmuseum: Das Theater wird getragen durch ein Netzwerk von theaterbegeisterten Unterstützern. Natürlich müssen Staat, die Stadt Rothenburg, der Bezirk und Kreis finanzielle Hilfen leisten. Von den privaten und halböffentlichen Sponsoren einmal ganz zu schweigen.

Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen im Servicebereich

Daher sind wir sehr Stolz, von so vielen Seiten Unterstützung zu erhalten. Und zum Schluss muss man auch die professionelle Arbeit und enorme Unterstützung von Frau Oedewald erwähnen, die lange Zeit das Theaterbüro (und vieles mehr) geleitet hat. Mit viel ehrenamtlicher Hilfe durch ihren Mann Nelson Cruz (musikalisch, wie auch handwerklich) hat sie das Theater trotz Dauer-Provisorium gekonnt durch die unsicheren ersten Jahre geführt.

Nach 10 Jahren Eigenproduktion

Es existiert ein schöner Spruch: „Wenn jeder Intendant wüsste, welches Stück zum Erfolgsstück wird, dann gäbe es nur noch Erfolgsstücke“. Es versteht sich also von selbst, dass auch am Toppler Theater nicht jede Aufführung den gleichen Publikumszuspruch erhalten kann. Dennoch gab es bereits etliche Highlights in den vergangenen Jahren zu verzeichnen: z.B. „Die 39 Stufen“ (nach Alfred Hitchcock), „Der dressierte Mann“ (nach Esther Villar), „Drei Morde, Küche Bad“ (von Carsten Golbeck), „Halbe Wahrheiten“ (von Alan Ayckbourn) oder eben das Stück „Toppler“ (von Reiyk Bergemann) aus dem Gründungsjahr.

Szenenbild aus den „39 Stufen“ von 2012

Zum zehnjährigen Jubiläum hat die dreiköpfige Theaterleitung versucht, diese vergangenen und jüngsten Erfolge zu verknüpfen. Mit der Neuinszenierung von „Toppler – oder der Versuch sich die ganze Welt untertan zu machen“ kehrt die eigens für das Toppler Theater geschriebene Komödie von Reiyk Bergemann wieder auf die Bühne in Rothenburg zurück – sogar erneut unter der Regie des Autors. Die zweite Eigenproduktion „Falsche Schlange“ hingegen knüpft an die Erfolge der „kriminalen Saison“ von 2016 an und bietet – auch bei der Regie mit Gerit Kling – echte Starbesetzung.

Toppler 2017

„Toppler – oder der Versuch sich die ganze Welt untertan zu machen“ wurde geschrieben und inszeniert von Reiyk Bergemann, der auch die Regie beim Historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ übernommen hat. Was liegt also näher, als zum Jubiläumsjahr eine überarbeitete Version der Komödie mit den vielen historischen Einblicken erneut auflegen zu lassen?

Plakatmotiv „Toppler“ von 2017

Die drei Schauspieler Thomas (Thomas Karl Hagen), Matthias (Matthias Klösel) und Adelheit (Adelheid Bräu) warten zu Probenbeginn auf ihren Regisseur, der sich (wieder einmal) Zeit lässt. Sie proben ein Stück über Heinrich Toppler. Je länger sie zum Warten gezwungen werden, desto mehr fangen sie an, die Figuren aus der Zeit Topplers auf ihre eigene Weise zu inszenieren, ausgehend von der arroganten Behauptung des Hauptdarstellers, er sei Heinrich Toppler gewesen. Auf diese Weise werden alle möglichen Figuren der damaligen Zeit wieder lebendig: Heinrich Toppler, seine Frau Margaretha Mayler, König Wenzel, der Burggraf von Nürnberg, Kraft Schober, Topplers Schwager Peter Northeimer, König Ruprecht und nicht zuletzt Hans Wern. Dem Stück gelingt es auf humorvolle Weise einen einzigartigen Einblick in die Geschichte des machtbewussten Bürgermeisters zu geben.

Premierentermin ist Samstag, der 17. Juni 2017. Das Stück wird bis zum 8. Juli an 17 Aufführungstagen gezeigt.

Regie: Reiyk Bergemann, Bühne und Kostüm: Valerie Lutz, Darsteller: Thomas Karl Hagen, Adelheid Bräu und Matthias Klösel

Die Falsche Schlange

Die zweite Eigenproduktion im Jubiläumsjahr 2017 trägt den Titel „Falsche Schlange“. Der Autor Alan Ayckbourn dürfte dem interessierten Publikum sicher ein Begriff sein. Zuletzt wurde 2010 mit „Halbe Wahrheiten“ eines seiner Stücke auf der Toppler-Bühne gezeigt.

Plakatmotiv „Falsche Schlange“ von 2017

Die zwei ungleichen Schwestern Miriam (Mackie Heilmann) und Annabel (Petra Kleinert) treffen nach dem Tod des eigenen Vaters wieder aufeinander. Prompt wird Miriam von der ehemaligen Krankenschwester des Vaters, Alice Moody (Astrid Rashed) erpresst. Miriam hätte das Ableben des Vaters beschleunigt – und solle nun für das Stillschweigen der Angestellten bezahlen. Da das Erbe aber an ihre Schwester Annabel ging, die gar nicht daran denkt ihren neu erworbenen Reichtum schon wieder abzugeben, entsteht eine schier unlösbare Situation. Gut, dass Miriam schon Erfahrungen im Ausschalten unliebsamer Personen hat, und sich so selbst um das Problem kümmern kann. Doch im Laufe der Nacht nimmt die Geschichte einen unerwarteten Verlauf… .

Ein Psycho-Thriller von Großbritanniens populärstem Gegenwartsdramatiker, der auch unsere dunklen Seiten untersucht! Premierentermin ist Mittwoch, der 26. Juli 2017. Bis zum 26. August wird der Thriller insgesamt 25-mal gezeigt.

Regie: Gerit Kling, Bühne und Kostüm: Ulv Jacobsen, Darsteller: Petra Kleinert, Mackie Heilmann und Astrid Rashed.

Marian Jaworski

Mein Name ist Marian Jaworski. Geboren wurde ich 1981 in Rothenburg ob der Tauber und ging hier auch zur Schule. Nach meinem Hochschulabschluss der Neueren und Neuesten Geschichte, fränkischen Landesgeschichte und politischen Theorie und Philosophie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, zog es mich erneut in meine Heimat zurück. Seit 2010 arbeite ich für das Toppler Theater. Zunächst als Regieassistent tätig, bin ich mittlerweile auch für Teile der Organisation und des Marketings zuständig.

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