Sehenswertes Rothenburg! – Eine Stadt zum Anfassen!

Eine neue Attraktion in der Altstadt von Rothenburg. Eine Sehenswürdigkeit die bereits vor ihrer offiziellen Einweihung viel Aufmerksamkeit erregte. Ein Anziehungspunkt, der einem die Vielfalt der Rothenburger Altstadt in kürzester Zeit vor Augen führt. Gleichzeitig aber auch zum längeren Verweilen und Wiederkehren einlädt – all das ist das Blindenstadtmodell in Rothenburg ob der Tauber.

Auf den ersten Blick noch unscheinbar erschließt sich die filigrane Detailfreude dem Einheimischen ebenso wie den Gästen aus aller Welt dann doch relativ schnell. Gleichzeitig so robust, dass Kinder darauf klettern können und es trotzdem die nächsten Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende überdauern wird. Unabhängig von Alter, Herkunft und körperlichen Fähigkeiten kann hier jeder dieses mittelalterliche Kleinod für sich völlig neu entdecken. Ein verbindendes Element für Jung und Alt, Groß und Klein aber vor allem zwischen Sehenden und Nichtsehenden. Ein offizielles Blindenhilfsmittel.
Rothenburg ob der Tauber im Maßstab 1:600 in Bronze gegossen – Eine Stadt zum Anfassen!

Das Blindenstadtmodell an der St.-Jakobs-Kirche hat sich schnell zum Anziehungspunkt in Rothenburg ob der Tauber entwickelt.

Aus Erfahrung gut – Blindentastmodelle

Seit über 20 Jahre fertigt der in Soest lebende Bildhauer Egbert Broerken nun schon Modelle von Städten an, die einem ganz besonderen Anspruch gerecht werden. Sie verbinden. Erst in seiner Region, dann in ganz Deutschland und inzwischen stehen nicht nur in anderen europäischen Städten seine Werke, sondern erreichen Ihn sogar schon Anfragen aus Übersee. Über 140 Stück sind es zwischenzeitlich und es werden jedes Jahr mehr.

"Rothenburg ob der Tauber" "Blindenstadtmodell"
Der Verein der Stadtführer hat sich in Zusammenarbeit mit der Stadt Rothenburg für das Blindenstadtmodell ins Zeug gelegt. Auch der Künstler Egbert Broerken war bei der Eröffnung im April vor Ort

Er beschreibt die Faszination Blindenstadtmodell auf seiner Internetseite wie folgt: „Auf Fingerkuppen durch die Straßen spazieren. Die Anordnung der Plätze und Gassen ertasten. Die Größenunterschiede zwischen Häusern und Kirchen erkennen. Architektur und Stadtgeschichte erfahren. Wenn blinde Mitbürger zum ersten Mal ihre Stadt befühlen, deren Mauern sie zwar berühren, deren Dimensionen sie aber nie begreifen konnten, so ist es für sie eine ganz neue Erfahrung.“

Die Idee über Überzeugt! Über Jahre entwickelt und verfeinert. Aus Erfahrung gut oder kurz AEG.

Was lange währt …

So ein AEG-Modell wollten wir für unsere Stadt auch haben. Das passt hier her! Aber es war ein langer und mühevoller Weg bis das Rothenburger Blindentastmodell am 29. April 2017 endlich der Öffentlichkeit vorgestellt und übergeben werden konnte. Auf Initiative des Vereins der Rothenburger Gästeführer begann die Planung bereits 2008. Die Frage der Finanzierung, die Künstlerauswahl, die Ausgestaltung des Modells, der Standort und weitere Details haben die Aufstellung immer wieder verzögert. Jahre sind ins Land gegangen. Häuser sind abgebrannt. Kinder sind geboren worden. Geduld und Ausdauer waren gefragt, vor allem bei den Initiatoren Carmen Palm und mir, Harald Ernst. Ich könnte sehr viele Geschichten erzählen über dass, was wir alles unternommen haben um die Idee in die Tat umzusetzen. Nur so viel, es war eine schwere Geburt und meine geschätzte Kollegin Carmen Palm meinte aus eigener Erfahrung, das es leichter wäre zwei Kinder zur Welt zu bringen. Da ich in diesem Punkt nicht mitreden kann lasse ich es einfach mal so stehen und schreibe lieber noch ein paar Worte zu dem Modell.

Das Modell – Ein echter Hingucker

Direkt am Fuße des mächtigen Südturms unserer wunderschönen St.-Jakobs-Kirche hat das Rothenburger Blindenstadtmodell sein Zuhause gefunden. Ein perfekter Platz der etwas abseits des quirligen Marktplatzes zum kurzen Verweilen einlädt. Ganz zufällig fällt es den meisten auf ihrem Weg über den Grünen Markt in Richtung Kirche auf. Harmonisch fügt es sich mit seinem massiven Sockel aus Muschelkalk in das Gesamtbild des Kirchplatzes ein. Eine geniale Idee der Sponsoren des Sockels (Fa. Herrscher) und Wüst-Nagala die gleichen Steine zu verwenden die schon beim Bau der Kirche zum Einsatz kamen. 2,5 Tonnen bringt der mit Leichtbeton gefüllte und von ca. 250 einzelnen Steinen ummantelten Unterbau auf die Waage.

"St.-Jakobs-Kirche" "Blindenstadtmodell"
Schwere Geburt: Auf diesem Sockel fußt das Blindenstadtmodell vor Rothenburgs St.-Jakobs-Kirche

Diagonale Bohrungen machen den Transport des gesamten Modelles zwar möglich, aber bereits die aufwendigen Fundamentierungsarbeiten, welche von dem Stadtbauamt übernommen wurden, sprechen gegen einen Standortwechsel. Warum sollte man das Kunstwerk auch irgendwann versetzen? Ist doch der zentrale Standort ein ausgezeichneter Orientierungspunkt um sich auf dem 190 cm langen und 150 cm breiten Modell zurecht zu finden. Etwa 200 kg Bronze waren notwendig um die topografische Situation sowie die architektonischen Besonderheiten der ausgesprochen gut erhaltenen Altstadt mit ihrer historischen Bausubstanz und den ganzen Mauern, Türmen und Toren detailgetreu wiederzugeben. Tagelang war der Künstler dafür in Rothenburg unterwegs und hat noch länger in seiner Werkstatt an dem Modell gearbeitet. Der Lohn der Arbeit ist ein (fast) fehlerfreies Abbild dieser internationalen bekannten fränkischen Kleinstadt. Selbst ich habe eine ganze Weile gebraucht um die kleinen Ungenauigkeiten zu entdecken die sich im langwierigen Entstehungsprozess eingeschlichen haben. Es lohnt sich auf jeden Fall ganz genau hinzuschauen oder zu fühlen. So ist es für jeden ein Erlebnis mal zu versuchen die Stadt mit anderen Sinnen zu erfahren. Das Blindenstadtmodell ist also wesentlich mehr als nur ein Hingucker.

Der Blick aus meinem Fenster – ganz privat

"Rothenburg ob der Tauber" "St.-Jakobs-Kirche"
Das Blindenstadtmodell aus der Vogelperspektive: Die Installation liegt direkt zu Füßen der St.-Jakobs-Kirche von Rothenburg ob der Tauber.

Während ich dies Schreibe blicke ich immer wieder aus meinem Fenster und was sehe ich da? Das Rothenburger-Blindenstadtmodell umringt von Menschen. Es erfüllt mich immer wieder aufs Neue mit großer Dankbarkeit und Freude sehen zu dürfen, wie gut diese neue Attraktion von Anfang an genutzt wird. Fast neun Jahre lang habe ich mich für die Verwirklichung dieses Projektes eingesetzt und die Idee dieses perfekten Standortes hatte dann der Leiter unseres Stadtbauamtes. Vielen Dank Herr Knappe! Aber auch ein herzlicher Dank an all die Unterstützer und Förderer ohne die diese Vision nie Wirklichkeit geworden wäre. Ein Symbol der Inklusion, ein verbindendes Element weit über die Tore unserer Stadt hinaus. Über alle Grenzen und Sprachen hinweg können sich an diesem Gebilde aus Metall hoffentlich noch sehr viele Generationen erfreuen. Ein bleibender Beitrag der Rothenburger Gästeführer um diese besondere Stadt noch ein bei bisschen schöner und lebenswerter für uns alle zu machen. Ein Beispiel dafür was Wenige zum Wohle Vieler schaffen können und das die Welt in der ich leben darf wunderschön ist.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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