Der Star für eine Adventszeit

Alle Jahre wieder spendet ein Rothenburger einen Weihnachtsbaum für den Reiterlesmarkt am Marktplatz – eine schöne Tradition, die nach einer kleinen Unterbrechung in den letzten beiden Jahren in diesem Winter wieder auflebte.

Einer darf in der deutschen Weihnacht einfach nicht fehlen: Thomas Mann beschreibt ihn in den „Buddenbrooks“ („geschmückt mit Silberflittern und großen weißen Lilien“ heißt es da), Goethe „Im Leiden des jungen Werther“ (hier geht es um einen „aufgeputzten Baum mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln“): den Weihnachtsbaum. Für viele Familien steht der Weihnachtsbaum hierzulande im Zentrum des Weihnachtsfestes – um ihn herum sammelt man sich am Heiligen Abend, das gemeinsame Schmücken ist vielerorts eine feste Tradition zum Frohen Fest. 

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Schneebedeckt: Gleich am ersten Wochenende durften die Gäste Rothenburgs Reiterlesmarkt von seiner schönsten Seite erleben. Foto: B. Babel

Und er blickt in Deutschland auf eine lange Geschichte zurück, die wohl in der Welt der Zünfte begann:  Aus dem 16. Jahrundert stammen die ersten Belege einer geschmückten Tanne. Ob nun im Bäckerwesen in Freiburg oder bei den Handwerkern der Stadt Bremen oder doch viel früher – wo er zuerst auftauchte, lässt sich schwer nachweisen. Entprungen ist der Brauch aus der Vorstellung immergrüner Pflanzen als Symbol für Lebenskraft und Fruchtbarkeit, die schon in heidnischen Kulturen vorherrschte.

Auch in Rothenburg ob der Tauber steht eine festlich geschmückte Tanne Jahr für Jahr im Mittelpunkt des Reiterlesmarktes – einmal örtlich am Marktplatz und am 1.12. auch dramaturgisch, wenn die Lichterkette auf ihr bei der Eröffnung des Rothenburger Weihnachtmarktes erleuchtet wird. Doch woher stammt der stolze, zwölf Meter hohe Baum in diesem Jahr eigentlich?

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Home Sweet Home: So fanden die Mitarbeiter des Bauhofs den Rothenburger Weihnachtsbaum im November in der Gartenstraße vor.

In Rothenburg gehört es zum guten Ton, dass der Weihnachtsbaum von einer heimischen Familie gespendet wird. Das war in den letzten beiden Jahren in Ermanglung eines passenden Exemplars aber nicht möglich. Zum Glück half da die Nachbarschaft aus Neusitz und Ohrenbach. In diesem Jahr stammt das gute Stück aber wieder aus einem Anwesen in Rothenburg ob der Tauber, Hellmut Otto hat das Prachtstück gespendet. Bereits im November wurde die gut 30 Jahre alte Tanne dort von Mitarbeitern des Bauamtes abgesägt, aus dem Garten gehoben und per Lkw gen Innenstadt transportiert.

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Neues Zuhause: So sieht es aus, wenn ein Weihnachtsbaum auf dem Rothenburger Marktplatz einzieht. Foto: A. Keitel

Dort sand sie nun bei Wind und Wetter, und wartete auf den großen Tag. Zunächst wurde sie geschmückt mit der Lichterkette und goldenen Sternen, dann kamen in der Vorwoche die Buden der Schausteller. Viel Verkehr und viele Handwerker tummelten sich da rund um den Christbaum, auch der Bayerische Rundfunk nutzte die Szenerie schon als Kulisse zum Gespräch. Und dann folgten am 1.12. die großen Worte des Reiterle-Prologs:

„Ihr lieben Kinder in Stadt und Land!
Ich bin euch allen gar wohlbekannt,
Mach mich alljährlich zur Vorweihnachtszeit
Für den Erdenritt zu den Kindern Bereit.
Ich komme gar gern ins alte Städtchen
Zu den fleißigen Buben und artigen Mädchen
Und bringe den goldenen Weihnachtszauber
Auf den Marktplatz zu Rothenburg ob der Tauber.“

Nun ist sie da, die Festzeit. Bis zum 23.12. steht der Rothenburger Christbaum im Fokus des vorweihnachtlichen Bummelns rund um den Marktplatz der Tauberstadt, auch der Lichterlauf der Rothenburger Schüler am 6. Dezember endete rund um seine Zweige. Erst kurz vor Weihnachten wird es ruhiger um den Baum: Nur im Lichthof bleiben die Buden zum Glüchweintreff bis ins neue Jahr hinein stehen, am Marktplatz verschwinden sie schon vor dem Heiligen Abend am 23. Dezember. Der Baum selbst beendet seinen Dienst erst nach dem 6. Januar. Den Nachfolger für Weihnachten 2018 hat man sich schon ausgeguckt. So viel sei verraten: Er stammt wieder direkt aus Rothenburg ob der Tauber.

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Leuchtendes Vorbild: So sieht der Weihnachtsbaum in Rothenburg ob der Tauber aus – der Nachfolger für das Jahr 2018 steht schon parat.

Eine Antwort auf „Der Star für eine Adventszeit“

  1. Es ist immer wieder schön, den Baum zu sehen, mit den Buden und Lichtern. Wenn wir nicht so weit weg wohnen würden…………wir haben auch einen 30 Jahre alten Baum zuhause stehen, der das nächste Jahr leider weichen muß. Den Baum haben wir zur Geburt unseres 1. Sohnes gepflanzt. Jedes Jahr wenn wir zur Weihnachtszeit in Rothenburg sind, sagen wir oft…….. unser Baum wäre auch was für den Weihnachtsmarkt. Aberwenn, dann nur für Rothenburg.

    Macht weiter so. Liebe Grüße aus Sachsen

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