Wie eine Orgel mit vielen Registern…

In einem musikalischen Streifzug durch Rothenburg erklingt ein vielfältiges und buntes Spektrum von liebevoll gepflegtem Volksliedgut über hochkarätige klassische Musik bis hin zu cooler Pop- und Rockmusik. Kulturreferentin Johanna Kätzel nimmt uns mit auf eine Klangreise.

Betritt man die Stadt durch eines ihrer Tore, erschallen regelmäßig die Glocken von den Türmen der altehrwürdigen St. Jakobskirche.  Unter das feierliche Geläut bei Gottesdiensten, Oratorienaufführungen und Konzerten mischen sich Chorstimmen und Orgeltöne. In jährlich rund 100 Konzerten mit hochkarätigen, teils international renommierten Organisten dürfen hier bei einer der größten Orgeln Bayerns alle Register gezogen werden, um das imposante Kirchenschiff mit vielfältigsten Klangfarben aus 5500 Pfeifen zu durchwehen. Die Wurzeln der Rothenburger Kirchenmusik reichen bis in die Renaissance und den Barock, als bedeutende Organisten und Komponisten wie Erasmus Widmann und Franz Vollrath Buttstedt dort als Kantoren wirkten.

Rothenburg ob der Tauber Orgel St.-Jakobs-Kirche
Eindrucksvoll: In der Kirche St. Jakob in Rothenburg ob der Tauber steht eine der größten Orgeln Bayerns. Foto: W. Pfitzinger

Gleich neben der Jakobskirche befindet sich ein weiterer Ort der Musik, ein Haus der Musik: die städtische Musikschule. Seit 1989 werden dort vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen musikalische Anlagen und Fähigkeiten nachhaltig gefördert. Diese zeigen sich dann in den glanzvollen Konzerten des Stadt- und Jugendblasorchesters.

Auch auf dem Marktplatz erschallt regelmäßig Musik: Der Reigen der klassischen Musikveranstaltungen wird hier ergänzt durch die alljährlich aus den USA anreisenden Ambassadors of Music. An Pfingsten und an den Reichsstadttagen ertönen Landsknechtstrommeln, Pikkoloflöten, Fanfaren und Gesang, wenn sich zahlreiche Spielgruppen des 1881 gegründeten Meistertrunk-Festspiels in der Stadt tummeln. Singend und mit authentischen Instrumenten des Barock geben sie historisches Liedgut zum Besten. So werden auf musikalische Weise die geschichtlichen Begebenheiten während des Dreißigjährigen Krieges vergegenwärtigt, als die Stadt belagert, erobert und schließlich doch noch gerettet wurde. Bisweilen ertönt auf dem Marktplatz auch leichte und lebendige Blasmusik fränkischer Volks- und Schäferlieder, die den fröhlichen Schäfertanz begleitet, der seit 1911 an eine jahrhundertealte Tradition der Schäfer in Rothenburg anknüpft.

Meistertrunk Rothenburg ob der Tauber Festspiel historisch Franken Dreißigjähriger Krieg
Musikalischer Streifzug durch Rothenburg ob der Tauber: Am Pfingstwochenende erklingen durch die Festspielgruppen des „Meistertrunks“ altertümliche Instrumente . Foto: W. Pfitzinger

Geht man vom Marktplatz die Herrngasse hinunter, macht man vielleicht im Theater am Burgtor halt, wo regelmäßig Schwänke des berühmten Nürnberger Spruchdichters Hans Sachs aufgeführt werden. Umrahmt wird dies von Renaissance-Musik durch eine der wohl ältesten und bekanntesten Volksmusikgruppen Frankens, die Rothenburger Hans-Sachs-Musik, deren Repertoire von den traditionellen fränkischen Tänzen bis hin zu Renaissanceintraden reicht.

Weiter geht es durch das Burgtor hinaus in den Burggarten, um einen Blick in das idyllische Taubertal zu werfen, von wo aus jedes Jahr im August der Wind rockige Gitarrenriffs, fette Bässe und coole elektronische Sounds nach oben trägt. Dann findet nämlich das mittlerweile schon Kult gewordene Taubertalfestival statt, zu dem inzwischen tausende Besucher pilgern und zu angesagter Pop- und Rockmusik abfeiern.

Um einen weiteren Ort der Musik aufzusuchen, gehen wir unterhalb der Stadtmauern an der Rothenburger „Riviera“ und an der Weinberganlage „An der Eich“ entlang, um beim Stöberleinsturm ins alte Spitalviertel mit der Reichsstadthalle zu gelangen. Hier gastieren seit bald 30 Jahren die Nürnberger Symphoniker alle zwei Jahre mit ihren Meisterkonzerten. In diesem Jahr darf man sich schon jetzt auf ein hochkarätiges Programm mit dem Vorspiel aus der berühmten humperdinckschen Oper „Hänsel und Gretel“, einem Klavierkonzert von Schumann und Beethovens 6. Sinfonie freuen. Den Jahresabschluss bilden traditionell die beiden Weihnachtskonzerte des Rothenburger Stadt- und Jugendblasorchester. Dieses Jahr hat zwar erst angefangen, aber es wartet ebenso gleich mit einem Höhepunkt klassischer Musik auf: Das Konzert zum Neuen Jahr, das sich als noch relative junge Reihe etabliert hat und bei dem das Ansbacher Kammerorchester – verstärkt zum Sinfonieorchester – in Rothenburg aufspielt. In diesem Jahr erwarten uns unter anderem die 1. Sinfonie von Brahms und das Trompetenkonzert des armenischen Komponisten Alexander Arutjunjan, für das der junge, aufstrebende Trompetenvirtuose Valentin Hammerl als Solist eingeladen wurde.

Aber auch vor anderen Toren der Stadt geht es musikalisch zu: Jazz und musikalisches Cabaret auf höchstem Niveau in der Kulturhalle Korn ziehen Besucher aus nah und fern an. Die Schüler des Gymnasiums präsentieren bei Schulkonzerten und der beliebten Caféhausmusik die Früchte ihres Engagements in Chören und Instrumentalensembles. Und im romantischen Wildbad an der Tauber kann man sowohl zu neuester, elektronischer Musik und fantastischen Lichtshows beim „Sundowner“ abtanzen, als auch in klassischer Musik oder dem Genre des Liedes schwelgen – etwa beim Internationalen Festival des Liedes. Hierbei treffen sich seit 2014 im Zweijahreswechsel Alt und Jung, Laien, Studenten, Profis und internationale Größen der Musik, um dem Kunst- und Volkslied in mehrtägigen Workshops und Konzerten neue Impulse und Aufmerksamkeit zu verleihen. Jedes Mal bereichern dabei andere Gastländer mit ihrer Musik das Programm und zeigen, dass die Musik die uns alle verbindende Sprache ist. In diesem Jahr sind Polen und Italien beim Lied-Festival zu Gast und beim Eröffnungskonzert geht es um das schönste aller Themen, nämlich die Liebe und zwar in 818 Jahren des Liedes.

Der musikalische Stadtrundgang zeigt: ganz Rothenburg klingt. Melodien ziehen sich durch alle Gassen. Dabei wird Traditionelles und Klassisches liebevoll gepflegt und Neues wie Alternatives gerne aufgenommen. Jung und Alt, Einwohner und ferngereiste Gäste geben sich in Rothenburg zu einem musikalischen Reigen die Hand und es werden alle musikalischen Register gezogen… ganz wie bei der Orgel in St. Jakob.

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