Eine winterliche Reise über Rothenburg ob der Tauber

… oder fünf Mädels im Ballonkorb

Im vergangenen Herbst erreichte mich eine Anfrage aus dem Rheinland.

Fünf Freundinnen, Karin, Margit, Silvia, Susanne und Waltraud planen ein Mädels-Wochenende im Kleinod des Mittelalters Rothenburg ob der Tauber. Ein Winterwochenende, nach dem Weihnachtsmarkt, in der ruhigen Zeit wollen die fünf Frauen in unserem so sehr gepriesenen Städtchen in Franken verbringen. Dabei wandern, klönen, sich erholen und als Highlight des Kurzurlaubes eine Ballonfahrt erleben.

Als Erstes musste ich die Damen darauf hinweisen, dass im Winter die Chancen auf geeignetes Wetter  in unserer Region nicht immer optimal für eine Ballonfahrt sind. Es darf nicht zu viel Wind auftreten und kein Niederschlag fallen. Außerdem müssen ausreichende Sichten für eine Ballonfahrt vorherrschen.

Die optimistischen rheinländischen Mädels sahen das unproblematisch und zitierten das geflügelte Wort: „Wenn Engel reisen …“

Nun, Glück muss Frau haben und tatsächlich für das geplante Januarwochenende hören sich die Wettervoraussetzungen vielversprechend an. Eine ruhige Inversionswetterlage wird vorhergesagt. Das bedeutet, die Temperatur nimmt mit der Höhe zu. Das kennt der ein oder andere vielleicht vom Wandern in den Bergen.

Detwang kurz nach dem Start

Am Sonntag um 13 Uhr treffen wir uns unterhalb der Rothenburger Altstadt im Taubertal auf einer Wiese an der Tauber. Wir, das sind meine Ballonverfolger Boris und Robert, ich als Ballonpilot und unsere fünf rheinländischen Frohnaturen, die alle erstmals eine Ballonfahrt „wagen“. Mit wiegen hat die Geschichte ja auch gleich begonnen. Die Damen waren recht erstaunt, dass sie bei Ihrer Buchung auch Ihr Körpergewicht mit anmelden mussten. Wir benötigen dies für unsere Tragkraftberechnung. Ballonfahren ist angewandte Physik.

Auf der Startwiese liegt eine dünne Schneedecke. Schnell ist der Korb aufgerüstet. Boris und Robert „verfolgen“ schon seit einigen Jahren unsere Ballone und sind routiniert im Korbaufbau. Nach einer kurzen Einweisung meiner Damen für Start und Landung  wird der Korb umgelegt und die Hülle mit Karabinern am Brennerrahmen befestigt. Karin und Waltraud halten die Ballonhülle auf, damit unsere Windmaschine Kaltluft in die Hülle blasen kann. Die anderen Drei fotografieren fleißig und überlegen sich wo sie in der Luft wohl auf Toilette gehen können …

Schnell ist der Ballon aufgestellt und bei ruhigem Wind im Tal steigen wir langsam am Tauberhang in die Lüfte. Der leichte Nordwestwind an der Talkante bringt uns dem leicht beschneiten romantischen Stadtzentrum sogar ein wenig näher. Wir steigen weiter auf und spüren keinen Wind. Das liegt heute auch daran das es insgesamt schwachwindig ist. Dafür haben wir eine uneingeschränkte bezaubernde Aussicht auf eine der als schönsten Städte Deutschlands geltenden Kleinstadt in Franken.

Altstadt mit Riveria

Schon bald fühlen sich meine Begleiterinnen sichtlich wohler im Korb. Margit und Susanne geben zu normalerweise ein wenig Höhenangst zu haben, die sie im Ballonkorb aber offenbar nicht spüren. Immer weiter steigen wir nach oben um an die Inversionskante zu kommen. Ich erzähle das es gerade im Winter sein kann, dass so ab 1000 Metern über Grund die Alpen erkennbar werden, da fragt mich Waltraud was sie denn dort für Zacken im Süden sehen kann. Hurra rufen die anderen Mädels, die Alpen sind da, zum Skifahren allerdings zu weit weg.

Hier in der Höhe an der Inversionskante kommt nun ein leichter Ostwind auf der uns langsam von der romantischen Altstadt nach Baden-Württemberg treibt. Das Außenthermometer zeigt uns 14 Grad plus in 1600 Metern über Grund an. Dabei hatten wir beim Start nur leichte Plusgrade.

Altstadt im Schnee

Wir genießen die Aussicht und sehen die Romantische Straße bis Füssen nicht wirklich, aber der Alpenhauptkamm zeichnet sich deutlich ab.

Nach einer guten Stunde steigen wir bei Spielbach ab und suchen uns ein Landeplätzchen. Boris und Robert stehen schon mit unserem Verfolgerbus bereit. Wir treffen einen trockenen Flurbereinigungsweg auf dem wir die Forum Rothenburg Ballonhülle trocken ablegen können. Schnell ist die Hülle wieder verpackt, weil alle Mädels tatkräftig zupacken. Der Korb wird wieder abgerüstet und alles im Ballonanhänger verstaut.  Robert rollt den roten Taufteppich aus. Nach alter Ballonfahrertradition werden alle Erstfahrer in den Adelstand der Ballonfahrer erhoben. Jetzt gibt es endlich Sekt für alle, den Margit eigentlich schon im Ballonkorb eingefordert hatte um auf unser „Ballonabenteuer“ anzustoßen.

Der Taufsekt ist schnell geleert und zurück geht es glücklich und entspannt in die mittelalterliche Stadt.

Georg Reifferscheid

Mein Name ist Georg Reifferscheid. Ich bin passionierter Ballonfahrer und veranstalte in Rothenburg ob der Tauber tägliche Ballonstarts aus dem Taubertal. Seit 1987 bin ich Hobbyballonfahrer, seit 1991 Ballonlehrer und seit 1993 hauptberuflicher Ballonpilot. Im Jahr zuvor, Ende 1992, gründete ich mit „Happy Ballooning“ das erste Luftfahrtunternehmen mit Ballonen in Nordbayern. Unser Startplatz in Rothenburg befindet sich direkt unterhalb der Altstadt an der Tauber. Bevor ich mein Hobby zum Beruf machte, war ich nach Abschluss meines Studiums an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung als Kriminalbeamter bei einer Spezialeinheit, einem Mobilem Einsatzkommando in Köln tätig. Anschließend als Sachbearbeiter für Raub und Fahndung bei der Kripo in Bonn. Am Ballonfahren reizt mich vor allem, im Luftmeer lautlos einem unbekannten Ziel entgegen zu gleiten. Mich fasziniert die Freiheit, über den Dingen zu schweben. Am liebsten bin ich ganz nah dran an der Altstadt von Rothenburg und der abwechslungsreichen Landschaft des Taubertals, der Frankenhöhe, der Hohenloher Ebene, des Aischtals, des Vorbachs oder des Jagst- und Kochertals. In jeder Himmelsrichtung ein neues Abenteuer! Dabei hat jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz und lädt zum Fotografieren ein.

Weitere Beiträge - Website

Follow Me:
FacebookGoogle PlusYouTube

Eine Antwort auf „Eine winterliche Reise über Rothenburg ob der Tauber“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.